Vielleicht haben Sie schon diese Momente echter Stille erlebt, die zufällig manchmal auftreten?

Bei einem Spaziergang durch die Natur, beim Besuch einer alten Kirche oder während der Yogastunde? Jene fast greifbare, tiefere Ruhe. Die sogar über alle Geräusche hinausgeht. Und vielleicht haben Sie sich dabei ganz wunderbar gefühlt? So entspannt und geborgen? Und zugleich wach und still im Inneren. Grundlos glücklich.

Und doch: wie oft bleibt es dabei und wir überlassen diese Momente weiter dem Zufall? Ist das nicht schade?

Ich lade Sie daher heute ein, sich die Stille ganz bewusst als wertvolle Kraftquelle für Ihren Alltag zu erschließen.

Warten Sie nicht länger bis „es“ zufällig passiert. Kultivieren Sie die Stille.

Doch:
Was ist eigentlich die Stille?

Mit Stille ist hier weniger das Wegbleiben von Geräuschen gemeint. Auch, wenn das zuänchst sehr hilfreich ist…

Im Grunde ist die Begegnung mit Ihrem Inneren gemeint. Wenn es auf einmal innen still(er) wird, die Gedanken – und sei es nur für einen noch so winzigen Moment – zur Ruhe  kommen, bleibt Ihr pures Lebendigsein übrig. Ihr SEIN.

Und auch die Instanz in Ihnen, die weiß, dass Sie lebendig sind. Man kann auch sagen: Ihr Bewusstsein. Stille ist also im Grunde „bewusstes Sein“. Wenn Leben sich seiner selbst bewusst wird, ist das eine höchst beglückende Erfahrung für uns.

In diesem Feld des Seins ist der Geist sehr offen: für kreative Lösungen, neue Gedanken. Auch das Immunsystem wird gestärkt, die Selbstheilungskräfte aktiviert. Es treten Gefühle des Wohlbefindens von selbst auf.

Unsere gesamtes Identitätsgefühl hingegen beruht nicht auf dem SEIN, sondern auf Gedankengebäuden. Wer bin ich? Wie sehe ich aus? Was tue ich? Wenn all das für einen Moment schweigt, was bleibt dann noch übrig? – DAS ist jene Stille, die hier gemeint ist.

Kultivieren Sie die Stille – Übung macht den Meister

Doch leider vergisst man in Bezug auf innere Erfahrungen allzu oft, dass auch sie Übung brauchen! Sie sind kein Zufallsprodukt. Neurophysiologisch gesehen gibt es tatsächlich auch hierfür Bahnen im Gehirn. Die größer oder kleiner sind je nach Benutzungshäufigkeit. So gibt es bei manchen vielleicht gar keine Pfade für Stille und Meditation. Andere haben kleinere Gehwege. Und wieder andere richtige „Autobahnen“ – es reicht ein kleiner Impuls und sie tauchen tief ab.

Vergleicht man es mit anderen Bereichen, wird einem sofort klar: Niemand kann Mozart oder Beethoven auf dem Klavier spielen, der es nicht viele Stunden geübt hat! Und immer weiter dran bleibt. Auch verbale Beschreibungen klassischer Musik sind völlig uninteressant im Gegensatz zur direkten Erfahrung ihrer wunderbaren Klänge! Vorträge, Bücher, Seminare können bereichernd und inspirierend sein, sind aber wertlos ohne das Kultivieren der eigenen subjektiven Erfahrung im Inneren.

Daher bin ich der Meinung, dass es eine ganz regelmäßige Praxis auch für die STILLE braucht. Ein tägliches Dranbleiben. Sich Zeit nehmen für das ALLERWICHTIGSTE: Ihre innere Kraftquelle. Sie kann die wahre Batterie sein für alles weitere. Eintauchen, entspannen, aufladen und genießen! Weniger als Pflicht, mehr genussvoll. Wie der tägliche Mini-Urlaub sozusagen… ;-))

– und eben wie beim Klavierspielen: zu Beginn meistert man vielleicht noch keine Sonaten, sondern macht erst mal Fingerübungen.

Doch ich glaube, die Fingerübungen sind immer täglich nötig, zum „Ankommen“. Auch nach vielen Jahren. Sozusagen erst mal „Grund reinbringen“. Und von da aus, kann man in höhere/feinere/tiefere Gefilde starten…

Geistiger Hausputz – oder: sind Gedanken „schlecht“?

Statt Fingerübungen könnte man auch sagen: erst mal inneren „Hausputz machen“.

Wenn Sie Ihren Körper in eine ruhige Position versetzt haben und die Augen schließen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit zunächst ein Gedankensturm losgehen, viele Bilder werden auftauchen, Sie werden zeitweise wahrscheinlich sogar völlig vergessen, dass Sie überhaupt meditieren, bzw. die Stille genießen wollten!

Bitte haben Sie keine Sorge und glauben: „Ich kann das einfach nicht. – Ich habe immer so viele Gedanken!“. Verurteilen Sie sich niemals für Ihre Gedanken!

Oft höre ich die Frage: „Wie kann ich meine Gedanken zur Ruhe bringen?“. Die Antwort ist: wir tun das gar nicht. Das würde nur weiteren Stress und Spannung verursachen. Gedanken sind ganz normal!!

Die Inder sagen: „Der Geist ist wie ein Affe, er springt von Ast zu Ast.“

Sie lassen Ihre Gedanken einfach zu! Das ist das Geheimnis. Vielleicht sind ja sogar wertvolle Informationen, Erinnerungen an Zu-Erledigendes, Ideen oder neue Erkenntnisse dabei. Manche legen sich auch einen Zettel dazu und schreiben wichtige Stichpunkte kurz auf, um sie dann wieder loslassen zu können.

Der Trick ist: Wenn Sie merken, dass Sie denken, kommen Sie zurück! Zurück zur Wahrnehmung des Raumes um Sie her, zum Körper, zur Atmung, zum Gewahrsein der tieferen Stille hinter allem, eines Mantras oder was immer Ihr „Anker“ für Ihre Stille-Meditation sein mag…

Was viele nicht wissen: Gedanken sind Stresslösung! In dem Moment, wenn äußerlich alles zur Ruhe kommt, geht es mental oft erst richtig zur Sache. Alles Geschehene wird verarbeitet, assimiliert, integriert. Und das ist gut so. Es ist wie geistige Verdauungsarbeit. Eben der „Hausputz“. Danach werden Sie sehen, dass Sie sich entspannter fühlen. Sie haben Ihren Körper ja doch gestoppt. Sind für einen Moment aus Ihren Aktivitäten – zumindest äußerlich – ausgestiegen und haben sich diesen Freiraum gegönnt. Jetzt „rattert“ es innerlich weiter.

Mit etwas Übung gelingt es Ihnen, das schneller bewusst zu merken und immer wieder Momente von Stille wahrzunehmen. Und wenn dann das „Gröbste“ an Gedankenarbeit durch ist, werden Sie sicher von alleine etwas tiefer in die Ruhe eintauchen. Doch haben Sie Geduld mit dieser ersten Phase, die es immer wieder braucht zum Aufklaren. An manchen Tagen sind Sie vielleicht auch sofort präsent und „tief“ und still. Die Gedankenwellen sind nur leicht und eher im Hintergrund. Wenn etwas Sie stark bewegt hat, werden Sie vielleicht das Gefühl haben, GAR NICHT in die Ruhe zu kommen. Und das hat nichts mit Übung zu tun, das geschieht auch noch nach vielen Jahren, wenn es für das Nervensystem viel zu verarbeiten gibt.

An solchen Tagen empfehle ich sehr Yin Yoga. Es ist eine ganz wunderbare Art, still zu werden. Einzutauchen. Dabei aber den Körper als festen Anker zu haben. – eine Art Körpermeditation. Der Körper entspannt sich, wird gedehnt und holt den Geist nach und nach zurück ins Hier und Jetzt.

Der Körper hat den großen Vorteil gegenüber dem Geist, dass er immer HIER ist. Und immer JETZT. Er kann nicht in Vergangenheit und Zukunft reisen oder urteilen, vergleichen, etc. Er IST einfach. Und so kann der Geist sich dem Wesen des Körpers allmählich angleichen, eines mit ihm werden. Zur Ruhe kommen. 🙂

DAS ist letztlich auch Yoga – das Wiedererlangen der Einheit von Körper und Geist.
Und in diesem Falle (Yin Yoga) ein wunderbarer Weg in die Stille.

Doch welchen Weg Sie auch immer wählen mögen:

Auch Stille will eben trainiert sein. Sie braucht Pflege und Ihre tägliche Aufmerksamkeit.
Und dann dürfen Sie sich über täglich reichere Früchte freuen, die Ihren Alltag grundlegend verändern werden. Sie werden sicherlich mehr Freude empfinden. Gewiss mehr Klarheit. Und eben: mehr innere Stille.

Ich wünsche Ihnen wunderschöne Erfahrungen und Höhenflüge mit sich selbst!
Genauso wie erfolgreichen, täglichen Hausputz des Geistes! 😉