Der Wert einer täglichen Praxis

Endlich mehr Sport treiben, regelmäßiger meditieren, Yoga- oder Atemübungen im Alltag praktizieren, in die Natur gehen oder oder oder…. Jeder hat etwas, das ihm unendlich gut tut, ihn im Leben wirklich weiterbringt und möglicherweise auch noch die Gesundheit verbessert. Bzw. „würde“.… Wenn da nicht immer der Alltag mit all seinen Anforderungen dazwischen käme. Schwups, schon wieder eine Woche rum…

Doch was wäre, wenn Sie nur eine einzige Sache, von der Sie in Ihrem Leben gerne mehr hätten, fortan täglich täten?? Wie anders sähe Ihr Leben in einem Jahr aus? Wie anders ihr Körper? Ihr Lebensgefühl? Was, wenn Sie – z.B. statt fernsehen, telefonieren oder E-mails schreiben – jeden Tag ein paar Minuten einer von Ihnen gewählten täglichen Praxis widmen würden, die Sie wirklich weiterbringt? Die vielleicht – über die Zeit betrieben – Ihr ganzes Leben verändern kann? Wenn Sie dem gegenüberstellen: Was bleibt Ihnen von all den E-mails, Fersehstunden oder Facebook-Besuchen im Vergleich dazu in einem Jahr an Resultaten für Ihr Leben übrig?

6 nützliche Tipps, das Guttuende auch im Täglichen zu verankern

1. Nur eine Sache auf einmal

Wählen Sie zunächst nur EINE Sache, die Sie integrieren möchten! Am besten eine eher kleine, die Sie gerne tun. Das hilft, durchzuhalten, Spaß zu haben und der Erfolg stellt sich schneller und leichter ein.

Bleiben Sie dann mit Fokus zunächst bei dieser einen Sache. Ich glaube, die Chinesen sagen (sinngemäß aus dem Kopf zitiert): „Wenn Du nach Wasser suchst, ist es besser, Du gräbst an einer Stelle 100 Meter tief als an 50 Stellen 2 Meter“. Also lieber mit Widmung EINE Sache richtig machen, als keine je zum Erfolg bringen!

Beispiel: Sie möchten mehr Yoga machen. Dann wählen Sie kein umfassendes Übungsprogramm, das Sie schon beim Gedanken daran erschlägt. Sondern zunächst nur eine Übung! Falls Sie an einem Tag mehr wollen, hindert Sie ja keiner! Also sagen wir: Die Vorwärtsbeuge.

Nutzen der Übung: Sie werden beweglicher auf der Rückseite der Beine, im Hüftbereich sowie im Rücken. Die ganze Wirbelsäule einschließlich Nacken und Bandscheiben profitieren davon. Die großen Faszien im Rücken (bes. unterer Rücken sowie Nacken), die oft verklebt und ausgetrocknet sind und so zu Rückenschmerzen führen können, werden verjüngt und erfrischt. Schmerzen verschwinden häufig. Die Übung stärkt zudem das Immunsystem (hilft auch bei Erkältungen!), kann depressive Verstimmungen vertreiben und fährt den Geist runter, entspannt das Nervensystem. Man sagt auch, dass überflüssiges Hüftfett verschwindet… Also schon die ein oder andere nützliche Wirkung, die eine Widmung alleine dieser Übung lohnen… 😉

2. Zeitfenster definieren

Der Trick ist nun: überlassen Sie es nicht dem Zufall oder Ihrer täglichen Lust und Zeit. Die wird möglicherweise nicht von alleine kommen… Legen Sie von vorneherein fest, wie viel Zeit Sie realistischerweise täglich für Ihre Übung aufbringen können.

Beispiel: Sie haben täglich 10 Minuten für die Vorwärtsbeuge. Sie werden Sie als lang gehaltene Yin-Position praktizieren.

3. Zeitraum definieren

Um sich selbst zu „überlisten“, ist es am Anfang sinnvoll, einen selbstgewählten Zeitraum festzulegen. Denn es sind Hürden zu erwarten, die es uns an bestimmten Tagen unmöglich erscheinen lassen werden, gerade HEUTE zu üben. Um dem von vorneherein zu begegnen, kann es hilfreich sein, das Ganze z.B. als „Challenge“ zu gestalten.

Beispiel: Sie legen fest, dass Sie für 3 Monate wirklich jeden Tag – komme was wolle – diese Übung 10 Minuten lang machen. Und sei es abends noch vor dem Schlafengehen, wenn es vorher nicht geklappt haben sollte… Neulich schrieb jemand dazu: „Stellen Sie sich vor, Sie müssten 10.000 € bezahlen, wenn sie Ihre Praxis ein Mal ausfallen lassen. Glauben Sie, Sie würden Sie ausfallen lassen?“

4. Feste Verankerung im Tag

Bestimmen Sie schon jetzt einen Zeitpunkt, der in Ihrem Tagesablauf gut passt. Man kann das ganze mit einem so genannten „Trigger Point“ verankern. Das bedeutet, sie verknüpfen die gewünschte Übung mit der Handlung, die immer davor kommt. So wird diese Tätigkeit Sie an Ihre Übung erinnern.

Beispiel: Sie legen fest, dass Sie immer morgens nach dem Duschen und vor dem Frühstück Ihre Vorwärtsbeuge machen. Dann wäre Ihr Trigger-Point: „Duschen, Anziehen, aus dem Bad Gehen“. So werden Sie sich jedes Mal beim Verlassen des Bades nach dem Ankleiden erinnern: „Da war doch was…“. Mit diesem kleinen „Reminder“ wird es viel leichter, eine neue Gewohnheit zu etablieren.

5. Taktik des „Ersten Schrittes“

Wenn es wieder Zeit ist, die Übung zu machen, Sie aber keinen Anfang finden, dann hilft es, nur den ersten Schritt zu machen. Denken Sie nicht an die ganze Übung, den Ablauf, die Zeit… Sondern machen Sie nur den allerersten Schritt. Wenn Ihre tägliche Praxis „Klavier spielen“ ist, dann setzen Sie sich nur ans Klavier. Nichts weiter…

Beispiel: Sie haben üüüüberhaaaupt keine Lust, schon gar keine Zeit, 1000 Hinderungsgründe… Dann lassen Sie sich einfach auf Ihrer Yogamatte nieder. Sonst nichts. … Wenn Sie einmal da sind, werden Sie auch Ihre Beine ausstrecken und der Rest ergibt sich von alleine…

6. Varianten für „Notfälle“

Zugegeben, das funktioniert möglicherweise nicht für jede Praxis, aber doch in vielen Fällen: Überlegen Sie sich schon jetzt eine Notfall-Variante Ihrer Übungspraxis für jene unplanbaren Tage oder wenn Sie mal unterwegs sind. So dass Sie auch in schwierigen Zeiten nicht aus der Routine fallen.

Beispiel: Sie sind unterwegs, die morgendliche Übung musste ausfallen, keine Yogamatte dabei, man kann sich nirgends auf den Boden setzen. Sie könnten in dem Fall die Stehende Vorwärtsbeuge wählen. Das geht sogar mal auf der Toilette… Oder im Wechsel jedes Bein einzeln auf einen Stuhl oder Tisch legen und die Beine nacheinander dehnen.

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Und so erschaffen Sie mit der Zeit eine völlig neue Gewohnheit! Am Anfang wird es Widerstände geben, klar, doch irgendwann läuft es wie von selbst. Körper und Seele werden nach Ihrer Routine verlangen, sollte sie einmal ausgefallen sein. Spätestens dann wissen Sie, dass Ihre Praxis integriert ist! ;-))

Und mit der Zeit wird diese Praxis Ihr Leben verändern, Ihr Fühlen und Denken. Und Sie werden sicher motiviert sein, auch andere Bereiche anzugehen! Oder Ihr Programm zu erweitern.

Mir ist irgendwann aufgefallen, dass alle Menschen, die ich kenne, die eine besondere Ausstrahlung, Kraft o.ä. haben, auch eine tägliche Praxis kultivieren: seien es Musiker, die täglich viele Stunden singen oder ein Instrument spielen, Spirituelle Lehrer, die an jedem Tag sehr viel meditieren oder andere Übungen praktizieren oder auch Sportler, die wirklich jeden Tag ihr Trainingspgromm absolvieren. Ihre ungebrochene Widmung hat sie zu Meisterschaft geführt und ihnen zudem häufig eine besondere Strahlkraft verliehen: Meiner Meinung nach die Kraft der Fokussierung und Hingabe.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und FREUDE!!